Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Christuskirche Dortmund liegt im Herzen der Dortmunder Nordstadt. Dieser Stadtteil ist geprägt durch kulturelle Vielfalt und viele im Stadtbild präsente Kinder und Jugendliche. Das Veranstaltungsangebot der Christuskirche richtet sich nicht ausschließlich an die eigenen Mitglieder, sondern in vielen Fällen an alle Interessierten – ohne Berücksichtigung von Herkunft oder Religionszugehörigkeit. So erreicht die Christuskirche viele Familien, Kinder und Jugendliche mit tollen Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung.
Im April 2026 fand nun die „Connection Jugend-Wohnwoche“ statt: „Für 35 Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren verwandelte sich die Christuskirche Dortmund und ihre Jugendhalle vom 22. bis zum 26.04. in eine riesige WG. In diesem Zeitraum fand ein fünftägiges Bildungs- und Begegnungsprojekt mitten im Dortmunder Norden statt.“ *
Erklärtes Ziel der Connection Jugend-Wohnwoche war es, den Jugendlichen soziale Teilhabe zu ermöglichen, sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu stärken und interkulturelle Begegnungen zu fördern. Insbesondere der letzte Punkt ist mit Blick auf die Teilnehmenden interessant: Die Gruppenzusammensetzung war hinsichtlich des sozialen, kulturellen und religiösen Hintergrundes sehr heterogen. Etwa die Hälfte der Teilnehmenden hatte Zuwanderungserfahrung. Im Rahmen der Wohnwoche lernten sich Jugendliche kennen, die im „normalen“ Leben keine Berührungspunkte haben. Dies brachte die große Chance mit, dass Vorurteile abgebaut werden.
Die Jugendliche bestritten während der Wohnwoche ihren regulären Alltag mit Schule und Hausaufgaben. Leider war es etwas weniger als der Hälfte der Jugendlichen nicht möglich, in der Christuskirche zu übernachten. Sie nahmen aber verbindlich am, Programm im Nachmittags- und Abendbereich teil. Die Jugendlichen, die in der Christuskirche übernachtete, brachen nach einem Frühstück von dort zur Schule, zur Ausbildung oder auch zu Hobbys auf. Spätestens um 16:30 Uhr mussten alle Jugendlichen wieder da sein, da dann das Programm begann: Eine bunte Mischung aus Gemeinschaftsaktivitäten, Workshops und Seminaren, Ausflügen und einem täglichen Abendprogramm zu bestimmten Inhalten. Als roter Faden zog sich das Thema „Demokratische Bildung“ durch die Connection-Jugendwohnwoche.
So startete die Woche für die Teilnehmenden am Mittwochabend mit der ersten „Parlamentssitzung“. Die Gruppe konnte sich kennenlernen und es wurde ein zuvor erarbeiteter Verhaltens-Kodex vorgestellt. Von da an fand an jedem Abend eine derartige Parlamentssitzung statt, in denen sich die Jugendlichen „mit Vorschlägen, Wortbeiträgen, Beschlüssen und Abstimmungen“ * einbrachten und „zum Teil überraschende Programmänderungen und spontane Zusatzregeln zustande“ * kamen. Für die Jugendlichen wurde auf diese Weise Demokratie erlebbar und sie lernten die Prinzipien und Konsequenzen dieser Art der Partizipation kennen.
Das Programm gestaltete sich im weiteren Verlauf der Wohnwoche wie folgt:
Donnerstag
- Nachmittag: zwei Seminare und Zeit zur freien Gestaltung,
- Seminar 1: „Diskriminierung und was ich dagegen tun kann“: Die Jugendlichen wurden „für das grundsätzliche Muster einer Diskriminierung, verschiedene Formen der Diskriminierung und was in verschiedensten Situationen sinnvolle Gegenstrategien sein könnten“ sensibilisiert.
- Seminar 2: „Mein positiver Beitrag zur Gesellschaft“: Dieses Seminar „behandelte Möglichkeiten, sich in der Schule, in der Politik oder in Vereinen ehrenamtlich zu engagieren und einen Blick dafür zu bekommen, wie auch kleine Beiträge eine Zivilgesellschaft positiv prägen können.“ *
- Abend: Koch-Duell und Parlamentssitzung
Freitag
- Nachmittag: Parlamentssitzung
- Im Anschluss: gemeinsamer Ausflug nach Bochum zu „Boda Borg“:
„Boda Borg ist ein Freizeitkonzept aus Schweden: eine große Abenteuerwelt, in der Teams zusammenarbeiten, um verschiedene Aufgaben in sogenannten „Quests“ zu lösen. Es gibt 22 verschiedene Quests, die in unterschiedliche Welten führen: zum Beispiel zu den Pharaonen, ins All, in den Dschungel oder eine Mine. Dabei geht es stets um Teamwork, Ausdauer, analytisches Denken, Kommunikation, Cleverness, Geschicklichkeit und manchmal auch körperlichen Einsatz. Boda Borg ist ein nicht-digitales, aktives Teamspiel, bei dem alle gleichermaßen mitwirken müssen. Scheitern ist Teil des Konzepts, so werden Lernerfolge und Zusammenhalt erzielt. Die Jugendlichen zeigten in den Quests zunehmend bessere Abstimmung und Durchhaltevermögen, was auch in der anschließenden Reflexion mehrfach benannt wurde.“
- Im Anschluss: Restaurant-Besuch bei L’Osteria mit angeregten Unterhaltungen zu den Themen Scheitern und Weitermachen
Samstag
- Vormittag: Gruppenspiel und Workshops
- Workshop 1: Hier wurde es sportlich! Auf einem Pop-Up-Volleyballfeld und bei einem Geländespiel im Blücherpark konnten sich alle auspowern. Zentral dabei war das Beobachten und Besprechen verschiedener Teamdynamiken.
- Workshop 2: Diese Workshop-Gruppe führte Gespräche mit wohnungs- und obdachlosen Menschen, um Erfahrungsberichte von Personen zu erhalten, die „unsere Zivilgesellschaft so oft übersieht“ *.
- Workshop 3: Hier ging es um kreatives Gestalten: Die Teilnehmenden konnten Keramik bemalen und Makramees flechten. Ganz nebenbei führten sie dabei Gespräche über das bereits Erlebte und Erlernte.
- Nachmittag: Ausflug zur Trampolinhalle „Superfly“
- „Für zwei Stunden bewiesen alle in verschiedenen Parcours‘, Spielen oder Duellen viel Rücksicht und Verantwortung füreinander.“ *
- Abend: Parlamentssitzung
Am Sonntag, dem letzten Tag der Wohnwoche standen dann Aufräumen und Packen im Vordergrund. Alle Teilnehmenden waren mit viel Engagement dabei und brachten die Räume der Christuskirche wieder in ihren Ursprungszustand. Abschließend kamen alle noch einmal zu einer Reflexionsrunde zusammen, um ein Fazit zur Connection Jugend-Wohnwoche zu ziehen: „Viele waren begeistert von der Zeit und die Seminare, Workshops und Paraments-Sitzungen haben die meisten sehr positiv bewertet. Einige Jugendliche berichteten sogar davon, dass die Zeit ihr Selbstbewusstsein gestärkt habe und sie sich nun für einige Herausforderungen ihres Alltags, oder auch Diskriminierungserfahrungen besser vorbereitet fühlten.“ *
„Ich habe gelernt, wie ich besser auf Diskriminierung reagieren kann.“ *
„Ich habe mehr verstanden, wie Politik funktioniert. Wenn beim Parlament die Hälfte schläft oder am Handy ist, kommen die dümmsten Sachen bei raus. Aber dann darf man sich auch nicht beschweren.“ *
„Ich glaube, ich werde ehrenamtlich bei einem Second-Hand-Laden helfen. Ich habe da eh schon öfter drüber nachgedacht, aber diese Woche hat mich noch mehr motiviert.“ *
Auch die Organisator:innen der Connection Jugend-Wohnwoche ziehen ein durchweg positives Fazit: Es haben mehr Jugendliche teilgenommen als erwartet, die Gruppe gestaltete sich divers mit Blick auf die sozioökonomische Situation der Herkunftsfamilie und auf Zuwanderungserfahrungen, sodass interkulturelle Begegnungen ganz nebenbei und ganz natürlich stattfanden. Die Jugendlichen konnten Partizipation leben und feststellen, wie sich Selbstwirksamkeit anfühlt, wenn man Verantwortung übernimmt. Derartige Erfahrungen können Jugendliche in ihrer Resilienz – also in ihrer psychischen Widerstandskraft in schwierigen Situationen –stärken, was ein wichtiger Faktor für eine positive Lebensgestaltung ist.
Die Connection Jugend-Wohnwoche wurde von einem Team aus einem angestellten Diakon und sechs gut geschulten Ehrenamtlichen geplant und organisiert, das die Jugendlichen in der gesamten Zeit begleitete.
ProFiliis hat die Jugend-Wohnwoche der Christuskirche gerne finanziell unterstützt und mit 3.500,- Euro über 40 % der insgesamt benötigten Mittel zur Verfügung gestellt. So konnten die folgenden Kostenpositionen abgedeckt werden:
- Lebensmittel
- Material für Workshops, Erlebnispädagogik und Programm
- Isomatten und Schlafsäcke für Jugendliche aus ökonomisch schlecht aufgestellten Haushalten
* Auszug aus dem Projektbericht
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